Alfons - Graber - Museum
Steinach am Brenner / Tirol


Eine bedeutende Sehenswürdigkeit der Marktgemeinde Steinach am Brenner stellt zweifellos das direkt an der Brennerbundesstraße gelegene Alfons-Graber-Museum dar, das 1991 durch eine hundert Werke umfassende Stiftung des gleichnamigen Künstlers entstanden ist.

Die in den drei Etagen des Ausstellungsgebäudes gezeigten Exponate wie Öl- und Temperabilder, Zeichnungen, Holz- und Linolschnitte oder Radierungen dokumentieren die ungewöhnliche Entwicklungsgeschichte eines Tiroler Künstlers des 20. Jahrhunderts.

Ist Grabers frühe Schaffensperiode noch geprägt von der Auseinandersetzung mit den "modernen" Kunsttendenzen seiner Zeit und der vielschichtigen Verarbeitung seiner Eindrücke, so präsentiert sich sein späteres Werk völlig konträr dazu. Schrittweise und an den einzelnen Ausstellungsstücken gut ablesbar, zeichnet sich die Hinwendung zu einer an den großen Meistern der Renaissance und des Barock angelehnten Kunstauffassung ab.


Der künstlerische Werdegang des 1901 in Steinach geborenen Alfons Graber begann 1922 mit dem Studium an der Münchner Kunstakademie unter Professor Carl Becker-Gundahl. Abseits vom soliden, traditionellen Ausbildungsweg, den die Akademie bot, machte Graber in einer privaten Malschule erstmals mit den zeitgenössischen Strömungen Bekanntschaft. Gerade sein vorwiegend grafisches Werk jener frühen Jahre zeugt vom Anschluss an den aktuellen Expressionismus.

1924 wechselte Graber an die Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er zunächst unter Ferdinand Andri, ab 1925 unter Alois Delug in dessen Meisterschule unterrichtet wurde.

Ab 1934 zählte Alfons Graber zu den Mitgliedern des Wiener Künstlerhauses. Die höchste öffentliche Auszeichnung, die ihm zuteil wurde, ist der Österreichische Staatspreis in Bronze, der ihm 1936 für eine Reihe von Radierungen und Monotypien verliehen wurde.

1944 kehrte der Maler in seine Heimatgemeinde Steinach zurück, wo er bis zu seinem Tod 1990 leben und über viele Jahre hinweg als freischaffender Künstler tätig sein sollte.


Mit Ende der zwanziger Jahre ist in Grabers Œuvre bereits die langsam einsetzende Entwicklung hin zu jener für ihn später verbindlich werdenden tonigen Hell-Dunkelmalerei in der Manier seines größten Vorbilds Rembrandt etwa zu beobachten.

Auch mit der Wahl der Bildsujets gibt sich der Künstler betont traditionsbezogen: Nicht nur in den zahlreichen Selbstbildnissen, Kinderporträts, Akten oder in den heiter-gemütvollen Genrebildern mit den charaktervollen ländlichen Typen, auch in seinem sehr umfangreichen und vielseitig gestalteten sakralen Werk steht immer der Mensch im Zentrum der Betrachtung.


Grabers frühes Ringen um eine adäquate künstlerische Ausdrucksform, die er schließlich in seiner eigentümlichen "neobarocken" Malerei fand, spiegelt die allgemeine Situation im Österreich zur Zwischenkriegszeit wider: Generell spaltete der Kampf zwischen "Alt" und "Modern" den gesamten Kunstbetrieb.

Zweifellos übten seine Lehrer an den Akademien und das Umfeld des Wiener Künstlerhauses, das sich als eine die alten künstlerischen Formen bewahrende Institution begriff, einen prägenden Einfluss auf Graber aus.

Letztlich liegt die Abkehr vom internationalen Kunstgeschehen wohl aber in der empfindsamen Persönlichkeit des Künstlers begründet, der sich in dem breiten, spannungsgeladenen Feld der modernen Stilrichtungen immer orientierungslos gefühlt hatte und erst die barocke Formensprache als die geeignetste zum "Sichtbarmachen unseres Gemütszustandes" für sich entdecken musste.


Maria Piegger, 2003